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Ich bin ja gerade für ein paar Tage alleine auf Urlaub und genieße Me-Time.

Gestern abend bin ich spät in Porto gelandet und habe dann meine Unterkunft bezogen. Ein entzückendes kleines Hotel in einem wunderschönen alten Palazzo.

Leider hat sich in der Nacht herausgestellt, dass der hübsche Altbau alles andere als schalldicht ist und ich habe in dieser Nacht nur wenig geschlafen. Ich hatte das Gefühl, jemand spaziert auf meinem Kopf herum, weil jeder Schritt auf den alten knarrigen Holzdielen zu hören war. Dazu kam noch der Lärm von der Straße – und diese Kombi führte noch in den frühen Morgenstunden zu meinem Entschluss: hier möchte ich nicht noch 4 Nächte schlafen (oder besser: nicht schlafen :-))

Dummerweise waren alle Nächte schon im Voraus bezahlt und ich musste auf Kulanz oder irgendeine andere Lösung hoffen. Notfalls musste ich in einem anderen Hotel nochmal zahlen. Aber mein Entschluss stand fest: Ich möchte meinen Urlaub genießen und nicht müde herumhängen.

Ich packte also meine Sachen zusammen und wartete auf die Managerin des Hotels.

Früher hätte ich mich vermutlich total geärgert über das laute Zimmer. Vielleicht hätte ich mich dann bei der Abreise auch noch beschwert. Aber davor hätte ich vermutlich nichts gesagt.Weil es mir unangenehm gewesen wäre. Weil ich keinen Konflikt heraufbeschwören hätte wollen. Weil ich gar keine andere Lösung gesehen hätte, wenn ich doch schon bezahlt habe.

Heute sind mir meine Bedürfnisse wichtiger. Heute möchte ich mit meinen eigenen Ressourcen achtsam umgehen – und Schlaf ist da ganz vorne mit dabei.

Endlich kam die Managerin. Ich erzählte ihr von meiner schlaflosen Nacht, dass ich ihr Hotel so entzückend fand, mir meine Nächte ohne Kinder aber heilig waren und ich sie deshalb bat, meine Buchung zu stornieren und die Zahlung zu refundieren.

Was dann passierte, hat mich so berührt. Sie erzählte mir, dass sie auch 2 Kinder hat (im genau selben Alter übrigens) und dass sie mich total verstehen konnte. Sie entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und bot mir an, mir bei der Suche nach einem anderen Hotel zu helfen. Dann schaute sich mich an und sagte: „Ich habe ein großes Zimmer im obersten Stockwerk – in den Garten hinaus, da ist es ganz ruhig. Niemand ist über ihnen und es gibt keine Straße. Ich mache das normalerweise nicht, aber ich möchte Sie upgraden. Sie haben verdient, in Ihrem Urlaub gut zu schlafen“.

Voila, da war sie, die Lösung. Ich bekam ein wunderschönes, riesiges Zimmer. Völlig ruhig. Und ich konnte hier bleiben.

Keine Spur von Konflikt. Keine Spur von Ärger. Nur viel gegenseitige Wertschätzung und Offenheit

Ich hab auf meine Bedürfnisse gehört. Ich bin sie nicht übergangen.

Und ich bin zu tiefst überzeugt: Immer dann, wenn wir das für uns selbst tun, beschenkt uns das Leben.

Mit einem Upgrade. Wie auch immer das aussieht.